Klausur: Das soziologische Konzept „Identität“ – Fördern soziale Medien die Identitätsbildung?

///Klausur: Das soziologische Konzept „Identität“ – Fördern soziale Medien die Identitätsbildung?

Thema:  Das soziologische Konzept „Identität“ – Fördern soziale Medien die Identitätsbildung?

Material:  Menz, Julia:  „Das Spiel mit der Identität“, unter http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/das-spiel-mit-der-identitat; abgerufen am 7.01.2017.

Aufgabenstellung: 

1. Analysieren Sie den Text, indem Sie folgendermaßen vorgehen: 

  • Geben Sie den Inhalt des Textes unter Angabe von Titel, Autor, Erscheinungsort/-zeit und Thema kurz und strukturiert wieder. 
  • Arbeiten Sie heraus, wie laut der Autorin die Identitätsbildung im Netz funktioniert. Benennen Sie dabei die relevanten Textstellen (Zeilenangabe).
  • Benennen Sie die Haltung der Autorin zum Thema. Beziehen Sie die Überschrift des Textes sowie die Internetseite mit ein, auf der der Artikel veröffentlicht ist. 

2. Erläutern Sie den Begriff „Sozialisation“. Gehen Sie dabei ausschließlich auf die Sekundärsozialisation und deren Sozialisationsinstanzen ein. (Hurrelmann)

3. Jugendliche verbringen zunehmend mehr Zeit in sozialen Netzwerken. Beurteilen Sie kritisch, ob dadurch die durch das direkte Umfeld vermittelten Normen und Werte der Gesellschaft gefährdet sind. 

Erläuterungen:

Zusatzinformation zur Internetseite www.katholisch.de Katholisch.de ist das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland.  Katholisch.de versteht sich als Nachrichten- und  Erklärportal der katholischen Kirche in Deutschland und spiegelt wichtige Debatten in Kirche und Gesellschaft. (entnommen: http://www.katholisch.de/uber-uns; letzter Zugriff: 7.01.2016)

Material:

Das Spiel mit der Identität

Dass Jugendliche ihre Grenzen testen, ist nichts Neues. Doch die mediale Umwelt, in der junge Menschen heute aufwachsen, ist eine neue Herausforderung. Welche Rolle spielen soziale Netzwerke dabei? Von Julia Menz

Dass Jugendliche ihre Grenzen testen und gelegentlich überschreiten, sich von der Erwachsenengeneration abgrenzen und so manche “Jugendsünde” begehen, ist nichts Neues. Das alles gehört zur zentralen Herausforderung der Pubertät, der Identitätsfindung, dazu. Doch die mediale Umwelt, in der Jugendliche heute aufwachsen, unterscheidet sich gravierend von der vorangegangener Generationen. Welche Rolle spielen Medien bei der Suche nach der eigenen Identität? Wie wird die Jugendphase durch das Social Web verändert? Warum üben WhatsApp, Snapchat und YouTube gerade auf Jugendliche einen so großen Reiz aus? […]

Die Identitätsbildung wird […] zur zentralen Herausforderung des Jugendalters. Dazu zählt die Ablösung vom Elternhaus und die eigenständige Aufnahme und Gestaltung von Freundschaften. Vorbilder und Identifikationen, die für den Prozess der Identitätsbildung notwendig sind, finden Jugendliche sowohl in ihrem direkten Umfeld, als auch in den Medien.

In Filmen und Büchern entdecken Jugendliche Themen wieder, die auch in ihrem eigenen Alltag eine Rolle spielen. Sie entdecken Handlungs- und Verhaltensmöglichkeiten, welche es im realen Leben auszutesten gilt. Medien bieten somit Orientierungsmöglichkeiten. Das Social Web umfasst durch seine Strukturen Möglichkeiten, die weit darüber hinausgehen. Das wichtigste Merkmal des Social Web ist, dass die Nutzer selbst Inhalte produzieren und online stellen können. Dadurch wird eigenes Handeln in und mit den Medien ermöglicht.

Besonders bei Jugendlichen stehen Dienste und Anwendungen des Social Web hoch im Kurs, da sie genau die altersbedingten Bedürfnisse von Heranwachsenden ansprechen: sich in Gruppen verorten und vernetzen zu können, mit Freunden zu kommunizieren und seine eigene Persönlichkeit individuell und kreativ darzustellen. Vor allem soziale Netzwerke werden genutzt, um verschiedene Identitätsfacetten auszuprobieren. Mittels eines Profils, dort eingestellten Inhalten und Kommentaren zu den Beiträgen anderer Nutzer, wird der eigenen Persönlichkeit Ausdruck verleihen. Nutzer haben dort die Möglichkeit, sich so zu präsentieren, wie sie von anderen gesehen werden möchten. Gleichzeitig können sie auch herausfinden, wie sie damit auf andere wirken. Medien werden somit sowohl für die Entwicklung, als auch für die Präsentation der eigenen Identität genutzt. Kommuniziert wird hauptsächlich mit Freunden, die den Jugendlichen auch aus der “Offline”-Welt bekannt sind.

Der besorgte Blick so mancher Erwachsener ist jedoch nicht ganz unbegründet. Denn mit den vielfältigen Möglichkeiten der Identitätsentwicklung und Kommunikation sind auch Schattenseiten verbunden. Einerseits funktioniert ein soziales Netzwerk nur, wenn die Personen dort auffindbar sind. Denn was nützt ein Profil, das nicht gefunden werden kann? Andererseits bedeutet dies die Freigabe persönlicher Informationen, wie zum Beispiel Klarname, Alter und Wohnort.  Die “Jugendsünden” vorangegangener Generationen wurden jedoch nicht in einem Raum dokumentiert, der weltweit öffentlich ist. Im Internet hingegen wird dokumentiert und gespeichert. Durch das Teilen von Beiträgen kann sich so eine Eigendynamik entwickeln, die nicht mehr zu stoppen ist. Es bleibt nicht unter denen, die dabei waren.

Im Umgang mit sozialen Netzwerken ist deshalb ein vorausschauendes und reflexives Verhalten gefragt. Aufgabe von Eltern, Lehrern und Pädagogen ist es, die Heranwachsenden dabei zu unterstützen, sich über die längerfristigen Folgen ihres Handelns Gedanken zu machen – ohne jedoch die Nutzung per se zu verbieten. Zugleich ist es aber auch Aufgabe gesellschaftlicher Akteure, Anbieter sozialer Netzwerke in die Verantwortung zu nehmen.

2018-11-17T19:59:55+00:0017.11.2018|Inhaltsfeld II, Klausuren|0 Kommentare