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	<title>Inhaltsfeld VI &#8211; DVPB</title>
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	<description>Deutsche Vereinigung für Politische Bildung</description>
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		<title>Klausur: Bietet die soziale Ungleichheit in Deutschland Anlass, politisch korrigierend einzugreifen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Obel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Mar 2019 15:21:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Inhaltsfeld VI]]></category>
		<category><![CDATA[Klausuren]]></category>
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					<description><![CDATA[Aufgaben: Stellen Sie dar, wie die Wissenschaft versucht, ARMUT UNDsoziale Ungleichheit zu messen. WERTENSie dazu auch die Arbeitsmaterialien M1-M3 AUS. Analysieren Sie den Text im Hinblick auf die Position des Autors zu Armut und Ungleichheit in Deutschland. Erörtern Sie kriteriengeleitet unter Berücksichtigung der Position des Autors und Ihrer Erkenntnisse aus Aufgabe 1 entweder, ob die  [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Aufgaben:</strong></p>
<ol>
<li>Stellen Sie dar, wie die Wissenschaft versucht, <strong>ARMUT UND</strong>soziale Ungleichheit zu messen. <strong>WERTEN</strong>Sie dazu auch die Arbeitsmaterialien M1-M3 <strong>AUS</strong>.</li>
<li>Analysieren Sie den Text im Hinblick auf die Position des Autors zu Armut und Ungleichheit in Deutschland.</li>
<li>Erörtern Sie kriteriengeleitet unter Berücksichtigung der Position des Autors und Ihrer Erkenntnisse aus Aufgabe 1 <strong>entweder</strong>, ob die Hartz-IV-Regelung eine gelungene Reform darstellt, <strong>oder</strong>inwieweit die Erbschaftssteuer reformiert werden sollte.</li>
</ol>
<p>Arbeitsmaterialien M1- M3 finden Sie mit der Klausur im Original und dem EWH hier: <a href="https://dvpb-nw.de/wp-content/uploads/2019/03/Klausur-Armut_Erbschaftssteuer_Butterwegge_Mai2017_Lk_.pdf">Klausur Armut_Erbschaftssteuer_Butterwegge_Mai2017_Lk_</a></p>
<p><strong>Text: </strong></p>
<p><strong>Krokodilstränen über die Armut. </strong>Christoph Butterwegge. <em>Frankfurter Rundschau</em>vom 5.10.2016</p>
<p>Immer dann, wenn eine neue Studie zur Armut von Kindern in Deutschland erscheint, schreckt die (Medien-)Öffentlichkeit der Bundesrepublik kurz auf, bevor die Regierungspolitik zur Tagesordnung übergeht und so tut, als sei nichts geschehen. Zuletzt erzeugte die Bertelsmann Stiftung mit eigentlich weder neuen noch Fachleute überraschenden Zahlen zum Hartz-IV-Bezug von Kindern und Jugendlichen einen wahren Medienhype. Denn sie verfügt […] über ausreichende Finanzmittel und eine professionell arbeitende PR-Abteilung<a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>.</p>
<p>Mit der Gütersloher Stiftung<a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>, die […] Gesellschaftsreformen vorantreiben und die „Prinzipien unternehmerischen Handelns“ in allen Lebensbereichen verankern will, wurde der Bock allerdings zum Gärtner:<a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>Sie vergoss Krokodilstränen über die Kinderarmut, obwohl sie selbst zur Jahrtausendwende die damalige rot-grüne Koalition zu einer neoliberalen Reformagenda gedrängt und die Hartz-Gesetze mit vorbereitet hatte.</p>
<p>Seit […] Hartz IV […] am 1. Januar 2005 in Kraft trat, hat sich die Zahl der Minderjährigen, die von staatlichen Fürsorgeleistungen leben, beinahe verdoppelt. Betrug die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die vorher Sozialhilfe bezogen, etwas mehr als eine Million, beziehen heute fast zwei Millionen der unter 18-Jährigen das im Volksmund ebenfalls „Hartz IV“ genannte Sozialgeld.</p>
<p>Wie unsensibel die verantwortlichen Politiker für das Armutsproblem sind und welch hohes Maß an Gleichgültigkeit ihre Parteien gegenüber den davon Betroffenen an den Tag legen, zeigt sich an Folgendem: CDU, CSU und SPD haben die Bundesausgaben für die Kinder- und Jugendhilfe gekürzt und wollen das Sozialgeld der jüngsten Kinder (von 0 bis 5) im nächsten Jahr um keinen einzigen Cent erhöhen. Dabei muss eine alleinerziehende Mutter im Hartz-IV-Bezug, wenn sie Windeln kauft, eine von denselben Regierungsparteien auf 19 Prozent erhöhte Mehrwertsteuer zahlen.  Dagegen zahlt ein Reicher, der sich ein Reitpferd kauft, nur sieben Prozent. Und ein ganz Reicher, der sich ein Aktienpaket für 30 Millionen Euro kauft, muss überhaupt keine Umsatzsteuer<a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a>mehr zahlen, weil die Regierung Kohl<a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a>die Börsenumsatzsteuer 1991 abgeschafft hat […]. Mehr muss man über die Steuerungerechtigkeit in Deutschland eigentlich gar nicht wissen.</p>
<p>Den armen Kindern fehlt eine mächtige (Wirtschafts-)Lobby, wohingegen sehr reiche Eltern auch politisch einflussreich sind. Deswegen kann der Nachwuchs von Familienunternehmern, die in anderen Staaten als „Oligarchen“ bezeichnet, bei uns jedoch mit dem Kosenamen „Familienunternehmer“ belegt werden, ganze Konzerne erben, ohne Erbschaftsteuer in nennenswerter Höhe zahlen zu müssen. Seit die erste große Koalition<a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a>unter der Kanzlerin Angela Merkel den Unternehmerfamilien ermöglichte, Betriebsvermögen ab 1. Januar 2009 steuerfrei zu vererben oder zu verschenken, sind den teilweise hoch verschuldeten Ländern über 50 Milliarden Euro an Erbschaft- oder Schenkungsteuer dadurch entgangen, dass die von der anschließenden CDU/CSU-FDP-Koalition<a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftn7" name="_ftnref7">[7]</a>noch einmal gelockerten Verschonungsregeln (meistenteils aus Gründen der Steuerersparnis lange vor dem Tod des Erblassers) in Anspruch genommen wurden. Laut Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ging der größte Teil der steuerbefreiten Unternehmensübertragungen an Kinder unter 14 Jahren, die auf diesem Weg allein zwischen 2011 und 2014 etwa 40 Milliarden Euro erhielten. Die 92 Kinder mit Erwerben in Höhe von 20 Millionen Euro oder mehr erhielten fast 30 Milliarden Euro, was im Durchschnitt 323 Millionen Euro pro Kind entspricht. Den armen Kindern stehen also unvorstellbar reiche Kinder gegenüber, von denen fast nie die Rede ist.</p>
<p>Nach dem […] Kompromiss zwischen CDU, CSU, SPD und Landesregierungs-Grünen – die von der Linken mitregierten Bundesländer Brandenburg und Thüringen haben ihm ebenso wenig zugestimmt wie die Bundestags-Grünen – […] ist die neue Regelung für Firmenerben sogar günstiger als die ursprüngliche, vom Bundesverfassungsgericht bemängelte, weil der Buchwert<a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftn8" name="_ftnref8">[8]</a>von Unternehmen durch Veränderung der Berechnungsart […] sank. Daher wird sich die Kluft zwischen Arm und Reich weiter vertiefen. Denn auch der demografische Wandel trägt seinen Teil dazu bei, dass sich riesige (Betriebs-) Vermögen in wenigen Händen konzentrieren. Wenn die Unternehmerfamilien in Zukunft wegen des allenthalben prognostizierten Geburtenrückgangs tendenziell schrumpfen, wächst automatisch der ihren wenigen Nachkommen zufallende Reichtum.</p>
<p><em>Christoph Butterwegge lehrte von 1998 bis 2016 Politikwissenschaft an der Universität zu Köln. Heute, am 5.10.2016, erscheint sein Buch „Armut“.</em></p>
<p><a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a>PR-Abteilung – z.B. eines Unternehmens für Medienarbeit zur Steuerung der öffentlichen Aufmerksamkeit im Sinne dieser Firma oder ihrer Branche.</p>
<p><a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a>Die Bertelsmann-Stiftung hat wie der Konzern, aus der sie hervorgegangen ist, ihren Sitz in Gütersloh/Westfalen.</p>
<p><a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a>Redewendung: Jemanden für eine Arbeit oder Aufgabe einsetzen, der etwas noch schlimmer macht.</p>
<p><a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a>Umsatzsteuer = Mehrwertsteuer.</p>
<p><a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a>Helmut Kohl (CDU) führte als Bundeskanzler in einer Koalition mit der FDP von 1982 bis 1998 die Bundesregierung.</p>
<p><a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a>Die erste große Koalition unter Angela Merkel bestand von 2005 bis 2009.</p>
<p><a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a>Diese bestand von 2009 bis 2013.</p>
<p><a href="applewebdata://03EA6819-852B-4935-9FB6-E4BDD5E7EE12#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a>In der Buchhaltung einer Firma wird aus steuerrechtlichen Gründen der bemessene Wert des Unternehmens aufgeführt.</p>
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			</item>
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		<title>Klausur: Sozialer Wandel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Obel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Mar 2019 15:00:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Inhaltsfeld VI]]></category>
		<category><![CDATA[Klausuren]]></category>
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					<description><![CDATA[Sozialer Wandel (Inhaltsfeld 6)   StellenSie zwei Dimensionen des sozialen Wandels mitsamt ihrer Entwicklung und möglichen Indikatoren der Messung (AFB I) (24 Punkte) a)AnalysierenSie den Text „Entfristet uns!“ hinsichtlich der Position des Autors zu Zeitverträgen. (AFB II) (30 Punkte) b) ErläuternSie außerdem die Erwartungen der Generation Y bzw. Z an den Arbeitsmarkt und bringen diese mit dem  [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1>Sozialer Wandel (Inhaltsfeld 6)</h1>
<p>&nbsp;</p>
<ol>
<li><strong>Stellen</strong>Sie zwei Dimensionen des sozialen Wandels mitsamt ihrer Entwicklung und möglichen Indikatoren der Messung (AFB I) <em>(24 Punkte)</em></li>
</ol>
<ol start="2">
<li>a)<strong>Analysieren</strong>Sie den Text „Entfristet uns!“ hinsichtlich der Position des Autors zu Zeitverträgen. (AFB II) <em>(30 Punkte)</em></li>
</ol>
<p style="padding-left: 40px;">b) <strong>Erläutern</strong>Sie außerdem die Erwartungen der Generation Y bzw. Z an den Arbeitsmarkt und bringen diese mit dem Text in Zusammenhang. (AFB II) <em>(16 Punkte)</em></p>
<ol start="3">
<li><strong>Beurteilen</strong>Sie, ob befristete Zeitverträge gesellschaftlich eine Gefahr oder Chance darstellen. Beziehen Sie hierbei aus dem Unterricht bekanntes Fachwissen ein (z.B.: Sozialer Wandel, Generationen, Gesellschaftsmodelle) und urteilen Sie kriteriengeleitet. (AFB III) <em>(30 Punkte)</em></li>
</ol>
<table style="height: 101px;" width="1065">
<tbody>
<tr>
<td width="606">! Achten Sie außerdem auf Ihre Rechtschreibung, die Verwendung von Fachvokabular, eine korrekte Zitierweise, die sinnvolle Strukturierung Ihres Textes und die Trennung zwischen deutenden, wertenden und beschreibenden Aussagen. <em>(Darstellungsleistung: 20 Punkte)</em></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><strong>Materialgrundlage: </strong></p>
<ul>
<li>„Entfristet uns!“ von<a href="https://www.zeit.de/autoren/K/Bernd_Kramer/index.xml">Bernd Kramer</a>, am Januar 2017 in ZEIT ONLINE erschienen (<a href="https://www.zeit.de/karriere/beruf/2017-01/zeitvertraege-befristung-angestellte-arbeitnehmer/komplettansicht)">https://www.zeit.de/karriere/beruf/2017-01/zeitvertraege-befristung-angestellte-arbeitnehmer/komplettansicht)</a></li>
<li>Bernd Kramer ist freier Journalist. Er hat an der Universität Köln Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaften und Soziologie studiert und die Kölner Journalistenschule absolviert. Vor allem schreibt er über Bildung, Hochschule, Arbeit und Gesellschaft – und das unter anderem für &#8220;Spiegel Online&#8221;, DIE ZEIT, &#8220;fluter&#8221;, &#8220;Neon&#8221;, &#8220;Freitag&#8221; und &#8220;taz&#8221;.</li>
</ul>
<p><strong>Zugelassene Hilfsmittel:</strong></p>
<ul>
<li>Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Entfristet uns!</strong></p>
<p>Man muss ein wenig suchen, aber dann findet man ihn doch noch, den leisen Zorn. <a href="https://www.facebook.com/groups/1624114397825414/?fref=ts">Zum Beispiel in einer Facebook-Gruppe</a>, in der sich Betroffene sammeln. Die Gründerin, eine Frau, die sich Sophia nennt und in Aachen arbeitet, klagt über ihre Existenzangst, die einfach nicht aufhören will: &#8220;Man weiß nicht, wohin die Reise führt.&#8221; Einen Urlaub zu buchen traue sie sich nicht mehr; vielleicht braucht sie das Geld ja bald schon als Reserve. Ein Auto kaufen, eines Tages eine Wohnung, Kinder bekommen? Fehlanzeige, Fehlanzeige, Fehlanzeige. Es ist zermürbend: &#8220;Man wird angelernt, tut sein Bestes und darf gehen&#8221;, schreibt sie. [&#8230;]<br />
Oder Christiane aus Berlin. Eine Weile habe sie von zu Hause aus arbeiten müssen, weil ihr Kind einen Unfall hatte – ausgerechnet einen Monat vor Vertragsende. &#8220;Das war&#8217;s dann mit der Weiterbeschäftigung&#8221;, schreibt sie. Willkommen in der Welt der Zeitverträge.</p>
<p>In Deutschland arbeiten Menschen zu niedrigen Löhnen, in Mini-Jobs, in Leiharbeitsfirmen ohne jede Regelmäßigkeit – trotz guter Konjunktur. Einen der größten Posten in der Statistik der atypischen Beschäftigung bildet aber die Befristung: <a href="https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/TabellenArbeitskraefteerhebung/AtypKernerwerbErwerbsformZR.html#Fussnote4">2,5 Millionen Menschen in Deutschland hatten zuletzt einen Vertrag mit Ablaufdatum</a>. Es ist eine der gebräuchlichsten Formen, Mitarbeiter zappeln zu lassen, jedes unternehmerische Risiko auf sie abzuwälzen. Aber die Empörung darüber ist auffällig still, selbst in den gängigen Echokammern der Wut: Die Facebook-Gruppe gegen Befristungen zählt gerade einmal 48 Mitglieder.</p>
<p>Vielleicht liegt die Zurückhaltung ja daran, dass Zeitverträge vor allem junge Menschen unterschreiben müssen. 60 Prozent aller befristet Beschäftigten sind unter 35 Jahre alt, hatte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung kürzlich errechnet; <a href="http://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_pb_8_2016.pdf">Azubis und Praktikanten nicht einmal mitgezählt</a>. Die Jungen dürften ohnehin so beschäftigt damit sein, sich im Berufsleben mit allen ausdrücklichen und unausgesprochenen Regeln zurechtzufinden, dass ihnen gar nicht weiter auffällt, welche Ungeheuerlichkeit ihnen da untergejubelt wurde. Und der Chef hatte es sowieso als die große Chance verkauft.</p>
<p><strong>Wenn Mitarbeiter zu Wegwerfprodukten werden</strong></p>
<p>Dabei ist es mitnichten so, dass eine Firma ihre Leute nie mehr loswürde, wenn sie ihnen von vornherein richtige Verträge gäbe. Unternehmen können eine Probezeit von bis zu sechs Monaten vereinbaren, innerhalb derer sie neue Mitarbeiter schnell wieder vor die Tür setzen können, <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__622.html">nach Kriterien, die weitgehend sie bestimmen</a>. Wer jung ist und noch nicht lange im Betrieb, genießt auch darüber hinaus einen geringeren Kündigungsschutz. Befristungen bringen das Paradox zustande, dass Mitarbeiter die Probezeit bestehen und doch den Job verlieren. Man kann Mitarbeiter loswerden, ohne ihnen eine Begründung schuldig zu sein. Zeitverträge höhlen aus, was ohnehin eher löchrig ist. Sie ist ein Freibrief, um Mitarbeiter wie Wegwerfartikel zu behandeln.</p>
<p>Natürlich gibt es Fälle, in denen es sinnvoll sein kann, ein Ablaufdatum in einen Arbeitsvertrag zu schreiben. Zum Beispiel, wenn ein Angestellter in Elternzeit geht und jemand vorübergehend als Vertretung gebraucht wird. Das Problem sind aber vor allem Befristungen ohne jeden Grund. Bis zu zwei Jahre dürfen Chefs ihre Mitarbeiter mit Zappelverträgen hinhalten – und sie tun das auch sehr genüsslich: <a href="http://doku.iab.de/forschungsbericht/2015/fb1215.pdf">Mittlerweile ist fast die Hälfte aller Zeitverträge unbegründet</a>. Und wenn die zwei Jahre abgelaufen sind und man seine Mitarbeiter gerne ein wenig weiter zappeln lassen möchte, finden sich auch dafür Möglichkeiten: Der Katalog der Befristungsgründe im Gesetz ist lang und vage genug. Irgendetwas lässt sich ja immer zur Projektarbeit deklarieren.</p>
<p>Im Betrieb gehören die Befristeten meist zu den Schwächsten: Sie müssen lächeln und hoffen. Betriebsräten sind in der Regel die Hände gebunden – denn eine Entfristung können die Arbeitnehmervertreter rechtlich nicht erzwingen. Und selbst für den Betriebsrat kandidieren, hilft leider auch nicht – denn der Kündigungsschutz gilt nur für Betriebsräte mit einem laufenden Vertrag. Läuft der Vertrag aus, muss auch ein befristetes Betriebsratsmitglied gehen.</p>
<p>[&#8230;]</p>
<p>Es gibt Studien zuhauf, die zeigen, wie zermürbend ein Leben in ständiger Bewährung ist: Befristet Beschäftigte sind <a href="http://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_pb_8_2016.pdf">seltener verheiratet und bekommen weniger Kinder</a>, sie sind (nach anfänglicher Freude über die neue Stelle) <a href="http://www.iaaeg.de/images/DiscussionPaper/2013_04.pdf">deutlich unzufriedener in ihrem Job</a>, <a href="http://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/0001699313496588">fühlen sich öfter von der Gesellschaft ausgeschlossen</a>, <a href="http://ije.oxfordjournals.org/content/34/3/610.abstract">sind häufiger von psychischen Leiden geplagt</a>.</p>
<p>Und doch muss man suchen, bis man in der Politik jemanden findet, der sich für ein Ende unendlicher Zeitverträge einsetzt. Etwa den Duisburger SPD-Bundestagsabgeordneten Mahmut Özdemir: &#8220;Wir erwarten von der jungen Generation, dass sie sich in die Gesellschaft einbringt. Aber wie soll sie das tun, wenn sie sich ohne jede Sicherheit von einer Befristung zur nächsten hangelt?&#8221; Er will die Regeln verschärfen, so stand es in aller Knappheit auch schon mal im Wahlprogramm seiner Partei. Seither hörte man nicht mehr davon. [&#8230;]</p>
<p><strong>Politik hat das Problem nicht auf der Agenda</strong></p>
<p>Der Mindestlohn? Ist eingeführt. Eine Reform der Leiharbeit? Der Kampf gegen den Missbrauch von Werkverträgen? Steht alles im Koalitionsvertrag (und könnte aus Sicht der Betroffenen sicher auch weitergehender ausfallen). Nur zu den überbordenden Zeitverträgen findet sich im schwarz-roten Regierungsprogramm kein Wort<a href="applewebdata://D6713319-4B67-4118-93FE-FC7DD3C90444#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>.</p>
<p>Weil die Union nicht mitspielte, entschuldigt sich der Abgeordnete Özdemir. Er will mit der Befristung immerhin jetzt in den Wahlkampf ziehen. &#8220;Für mich ist das Thema beim nächsten Koalitionsvertrag nicht verhandelbar.&#8221; Dass die Politik das Problem bislang so beharrlich vergisst, könnte einen weiteren Grund haben: Der Staat selbst ist einer der größten Aussteller befristeter Arbeitsverträge. Jede Reform träfe zuerst ihn.</p>
<p>Im öffentlichen Dienst, dem angeblich letzten Hort sicherer Jobs, war zuletzt jede zehnte Stelle befristet. Die Quote liegt selbst dann noch über den Werten der Privatwirtschaft, wenn man die notorisch mitarbeiterunfreundlichen Universitäten ausklammert, wo praktisch sämtliche Nachwuchsforscher sich von Vertrag zu Vertrag hangeln. Und selbst <a href="http://doku.iab.de/kurzber/2016/kb0516.pdf">die Chancen auf eine dauerhafte Übernahme sind beim Staat schlechter</a>als in vielen privaten Firmen.</p>
<p>Unternehmen sollen atmen, wie es heute so schön heißt, je nach Auftragslage Mitarbeiter sanft kommen und wieder gehen lassen, tiefenentspannt. Ein. Und aus. Und ein. Und aus. Und die moderne Behörde atmet natürlich mit. Aus. Und ein. Und aus. Und ein.</p>
<p>Die Grummelnden bei <a href="https://www.zeit.de/thema/facebook">Facebook</a>wissen das zu gut. &#8220;Nach außen gut dastehen, aber für die eigenen Mitarbeiter nichts tun&#8221;, schimpft die Gruppengründerin. Ihr eigener Arbeitgeber bis zum März 2017 ist schließlich genau jene Anlaufstelle für alle, die nach der Befristung ausgeatmet werden: die Bundesagentur für Arbeit.</p>
<p><a href="applewebdata://D6713319-4B67-4118-93FE-FC7DD3C90444#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a><strong><u>Aktuelle Zusatzinformation:</u></strong>Im neuen Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD vom 12.3.2018 steht: „<em>Wir haben einen wirklichen Durchbruch bei den Verhandlungen über die sachgrundlose Befristung und Kettenverträge erreicht: Möglichkeiten der befristeten Beschäftigung werden reduziert. Sachgrundlose Befristungen werden wieder zur Ausnahme, das unbefristete Arbeitsverhältnis soll wieder zur Regel werden in Deutschland. Endlose Kettenbefristungen werden abgeschafft“ </em>(S. 12, Z. 377ff.).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>** Klausur und EWH: <a href="https://dvpb-nw.de/wp-content/uploads/2019/03/SW-GK-Q2-Sozialer-Wandel-Klausur-EWH.pdf">SW GK Q2 Sozialer Wandel Klausur + EWH</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Klausur: Soziale Ungerechtigkeit – Verschließt die Elite ihre Augen?</title>
		<link>https://dvpb-nw.de/klausur-soziale-ungerechtigkeit-verschliesst-die-elite-ihre-augen/</link>
					<comments>https://dvpb-nw.de/klausur-soziale-ungerechtigkeit-verschliesst-die-elite-ihre-augen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Obel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Nov 2018 19:51:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inhaltsfeld VI]]></category>
		<category><![CDATA[Klausuren]]></category>
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					<description><![CDATA[Aufgabenstellung:  1. Analysieren Sie den Text, indem Sie die Kernaussage Fratzschers benennen und darlegen, wie er diese argumentativ begründet seine Forderungen benennen und diese vor dem Hintergrund seiner Biographie beurteilen. Hinweis: Beachten Sie bei der Analyse den Konjunktiv! 2. Stellen Sie dar, vor welchen Herausforderungen andere Gesellschaften standen, indem Sie kurz eine politische Theorie ihrer  [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Aufgabenstellung</strong>:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>1. Analysieren Sie den Text, indem Sie</p>
<ul>
<li>die Kernaussage Fratzschers benennen und</li>
<li>darlegen, wie er diese argumentativ begründet</li>
<li>seine Forderungen benennen</li>
<li>und diese vor dem Hintergrund seiner Biographie beurteilen.</li>
</ul>
<p>Hinweis: Beachten Sie bei der Analyse den Konjunktiv!</p>
<p>2. Stellen Sie dar, vor welchen Herausforderungen andere Gesellschaften standen, indem Sie kurz eine politische Theorie ihrer Wahl vorstellen. Gehen Sie bei der Darstellung hauptsächlich auf die Rolle des Staates in Bezug auf das Zusammenleben in der Gesellschaft ein.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>3. Erörtern Sie, ob das Bedingungslose Grundeinkommen eine Möglichkeit „einer zielgenaueren Wirtschafts- und Sozialpolitik“ (Z. 48f) für Fratzscher darstellen könnte. Nennen Sie dabei Pro- und Contra-Argumente und führen Sie diese anhand der im Unterricht benannten Beispiele aus.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Quelle</strong>:</p>
<p><a href="http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-12/soziale-ungleichheit-elite-bildung-arbeitsmarkt-fratzschers-verteilungsfragen/komplettansicht?print">http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-12/soziale-ungleichheit-elite-bildung-arbeitsmarkt-fratzschers-verteilungsfragen/komplettansicht?print</a>; zuletzt abgerufen am 17.6.17</p>
<p><strong>Autor</strong>:</p>
<p><i>Marcel Fratzscher</i><i> leitet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professor an der Humboldt-Universität in Berlin. Von 2001 bis 2012 war Fratzscher für die Europäische Zentralbank tätig, zuletzt als Leiter der Abteilung International Policy Analysis. Für ZEIT ONLINE schreibt er seit Dezember 2016 die Kolumne &#8220;Fratzschers Verteilungsfragen</i><i>&#8220;.</i></p>
<p><i>In seinem kürzlich veröffentlichten Buch „Verteilungskampf“ stützt er die These, </i><i>dass die Ungleichheit in Deutschland eine Wachstumsbremse sei.</i></p>
<p><strong>Material</strong>:</p>
<p><b>Soziale Ungleichheit: Die Elite verschließt die Augen</b></p>
<p><i>Marcel Fratzscher</i></p>
<p><b>Wer unzufrieden ist über die soziale Ungleichheit im Land, liegt damit nicht falsch. Aber die Politik will die Tatsachen nicht wahrhaben.</b></p>
<p>23.12.2016; ZEIT ONLINE</p>
<p>„Das Volk versteht das meiste falsch; aber es fühlt das meiste richtig,“ schrieb Kurt Tucholsky 1931 mit einem Schuss Ironie über die Manipulation der Bürger durch die Politik. Das Zitat trifft auch heute noch zu. Viele Menschen in Deutschland klagen über eine zu hohe soziale Ungleichheit. Sie fühlen sich abgehängt und sorgen sich um ihre Zukunft. Die Elite hingegen klagt, Bürgerinnen und Bürger verkennten die Realität. Es ginge Deutschland doch eigentlich gut. Die soziale Marktwirtschaft sei lebendig, und es gehe in unserem Land gerecht zu.</p>
<p>Damit erhebt die Elite Anspruch auf die Deutungshoheit über die Fakten, über die Wahrheit. Aber kann es sein, dass es nicht die Menschen sind, die das meiste falsch verstehen, sondern die kleine Gruppe von Entscheidern in Politik, Wirtschaft und Medien?</p>
<p>Das Grundgefühl vieler Menschen in Deutschland heute ist eines der Angst und Sorge vor der Zukunft und vor Chancenlosigkeit. In Umfragen sagen 70% der Deutschen, dass sie die soziale Ungleichheit als zu hoch empfinden. [&#8230;] In ihren Augen beweist dieses Gefühl: Die Versprechen der Sozialen Marktwirtschaft wurden gebrochen. Diese soll nicht nur einen funktionierenden Markt gewährleisten, sondern auch ein gutes Sicherungsnetz garantieren, den Bürgern aber zugleich eine hohe Eigenständigkeit und Eigenverantwortung ermöglichen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>[&#8230;] Viele leugnen das Problem mit Verweis auf die wirtschaftlichen Erfolge der vergangenen 10 Jahre. Die Arbeitslosenquote ist von über 5 Millionen auf heute 2,7 Millionen halbiert worden. Wir sind stolz, Export-Vizeweltmeister zu sein, und auf die vielen deutschen Weltmarktführer. Deutschland ist viel besser durch die globale Finanzkrise und die europäische Wirtschaftskrise gekommen als die meisten unserer Nachbarn.</p>
<p>Viele ignorieren jedoch, dass diese Erfolge nicht allen, sondern nur wenigen Menschen zugute gekommen sind. Das reale Einkommen mehr als jedes dritten Haushalts in Deutschland ist in den vergangenen 15 Jahren geschrumpft. Mehr Menschen arbeiten in prekärer Beschäftigung, oder sie würden gerne mehr arbeiten und damit auch mehr Geld verdienen. Die Ungleichheit der Einkommen der unter 40-Jährigen ist heute doppelt so hoch wie in der Generation ihrer Eltern. Und Chancengleichheit und soziale Mobilität sind im internationalen Vergleich häufig gering.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Kinder aus sozial schwächeren Familien haben es enorm schwer, ihre Talente und Fähigkeiten zu nutzen und Eigenverantwortung für ihr Leben übernehmen zu können. Frauen werden im Arbeitsmarkt deutlich diskriminiert und die Politik tut noch immer zu wenig, um dies zu beenden. Auch Menschen mit Migrationshintergrund haben es ungleich schwerer, ihre Fähigkeit zu nutzen und bei Bildung, im Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft eine faire Chance zu bekommen. [&#8230;]</p>
<p>Es sind nicht die Menschen, die mit ihrer Unzufriedenheit über die hohe soziale Ungleichheit falsch liegen. Sondern es ist die Politik, die diese unbequeme Tatsache nicht wahrhaben möchte. Denn dies erfordert ein grundlegendes Umdenken hin zu einer zielgenaueren Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie große Investitionen. Der gewählte Weg zur Ausweitung von staatlichen Transfers an zu meist eh schon privilegierte Gruppen wird nichts grundlegend am Problem der sozialen Ungleichheit in Deutschland ändern.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Klausur: Späte Elternschaft – eine (un)gewollte Lebensform?</title>
		<link>https://dvpb-nw.de/klausur-spaete-elternschaft-eine-ungewollte-lebensform/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[dvpb]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Oct 2017 11:43:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inhaltsfeld VI]]></category>
		<category><![CDATA[Klausuren]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitswelt]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaftlicher Wandel]]></category>
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					<description><![CDATA[Thema: Späte Elternschaft – eine (un)gewollte Lebensform? (SW GK, Q1) Inhaltsfeld 6: Strukturen sozialer Ungleichheit, sozialer Wandel und soziale Sicherung, Sozialer Wandel, Individualisierung und Entstrukturierung  Aufgabenart: Darstellen – Analysieren – Diskutieren Aufgaben: 1. Stelle den demografischen Wandel dar und verdeutliche an zwei Beispielen, welchen Einfluss der Wandel der Familie auf die Bevölkerungsstruktur hat. (26 Punkte) 2. Analysiere  [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Thema</strong>: Späte Elternschaft – eine (un)gewollte Lebensform? <span style="text-decoration:underline;">(SW GK, Q1)</span></p>
<p><i><strong>Inhaltsfeld</strong> 6: Strukturen sozialer Ungleichheit, sozialer Wandel und soziale Sicherung, </i><i>Sozialer Wandel, </i><i>Individualisierung und Entstrukturierung </i></p>
<p><b>Aufgabenar</b>t: Darstellen – Analysieren – Diskutieren</p>
<p><b>Aufgaben:</b></p>
<p>1. Stelle den demografischen Wandel dar und verdeutliche an zwei Beispielen, welchen Einfluss der Wandel der Familie auf die Bevölkerungsstruktur hat. (26 Punkte)</p>
<p>2. Analysiere den Text, indem du die Argumentation der Autorin zum Phänomen der späten Elternschaft als neues biographisches Muster im Hinblick auf Geschlechtsrollenwandel und Individualisierung herausarbeitest. (44 Punkte)</p>
<p>3. Erörtere die Frage, ob eine späte Elternschaft als Ergebnis einer Überforderung der Menschen (Z. 50) in der „Rushhour des Lebens“ (Z.44) oder als Ausdruck einer selbstbestimmten Lebensentscheidung gedeutet werden kann.</p>
<p><b>Materialgrundlage: </b><b>Thimm, Katja</b>: Oh Baby, in: Der Spiegel, 17 (2014), S.32-41 (gekürzt).</p>
<p><b>Zur Autorin:</b> Katja Thimm, studierte Politikwissenschaft, Romanistik und Neuere Geschichte. Sie war als Redakteurin beim Stern, beim NDR-Fernsehen und im Wissenschaftsressort des SPIEGEL tätig, seit 2009 ist sie Reporterin beim SPIEGEL.</p>
<p><strong>Text</strong>:</p>
<p><b>Oh, Baby!</b></p>
<p>Eine junge Mutter wollte Luise Helbach werden, von zwei, drei, auch vier Kindern träumte sie, von Trubel und Zusammenhalt unter Geschwistern. Es kam nicht dazu. Irgendwie habe das Leben ständig anderes gebracht, sagt die zupackend wirkende Frau. Eine Buchhändlerlehre, ein Studium, verschiedene Partner, Umzüge, berufliche Krisen &#8211; die Jahre seien nur so zusammengeschnurrt. Mit 44 Jahren nun ist sie selbständige Kulturberaterin und ihr Sohn, das einzige Kind, gerade mal zwei Jahre alt. […] Es ist eine wachsende Gruppe, lauter Paradebeispiele eines neuen biografischen Musters. „Späte Eltern&#8221; nennen Wissenschaftler die etablierten Frauen ab Mitte dreißig und ihre oft noch älteren Männer. […]. Nachwuchs ist, wenn überhaupt, für viele Menschen ein Projekt der zweiten Lebenshälfte. „Ein Megatrend&#8221;, urteilt Wolfgang Holzgreve, Professor für Frauenheilkunde und Ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum Bonn, „er wird in seiner Bedeutung noch vollkommen unterschätzt.&#8221; […]</p>
<p>Die Zahlen: Waren Frauen in Westdeutschland 1970 bei ihrer ersten Entbindung durchschnittlich 24 Jahre alt, sind sie heute 29, jene mit Studium sogar 33 Jahre; im Osten liegt der mittlere Wert bei 28 Jahren. Vor allem die Schar später Mütter wächst &#8211; und führt, wie Daten des Statistischen Bundesamts nahelegen, sogar zu einem Rückgang der hohen Kinderlosigkeit von Akademikerinnen. Während die Geburtenzahl bei den unter 30-Jährigen sinkt, steigt sie bei Frauen ab 40 seit Jahren an. […] Die Zahlen überraschen selbst Experten für Familienpolitik. Fortpflanzung im fortgeschrittenen Alter erschien lange nicht besonders relevant. […] Nun aber erfahren die Vernachlässigten zunehmend Aufmerksamkeit &#8211; auch als Musterexemplare „verantworteter Elternschaft&#8221;. […]</p>
<p>In Umfragen sehen 46 Prozent der unter 45-Jährigen eine abgeschlossene Berufsausbildung beider Partner als „unabdingbar&#8221; für eine Familiengründung an; 60 Prozent finden außerdem, dass mindestens ein Elternteil über eine gesicherte Arbeitsposition verfügen müsse. Doch zahlreiche junge Erwachsene sind noch mit Ende zwanzig wirtschaftlich von den eigenen Eltern abhängig; mehr als ein Drittel aller 25-jährigen Männer wohnt nach wie vor zu Hause. Studium, Einstieg in den Beruf, erste Karriereschritte, Festigung der Position, Kinder: Die typische deutsche Erfolgsbiografie ist linear und sieht unumkehrbare Experimente wie Elternschaft erst am Ende vor. Nur etwa fünf Prozent der Studenten sind Vater oder Mutter.</p>
<p>Mit wachsendem beruflichem Erfolg dann schleicht sich eine Kosten-Nutzen-Rechnung ins Leben: Männer kalkulieren das neue väterliche Rollenbild, das auch von ihnen Familienarbeit verlangt, Frauen die Dreifachbelastung aus Erwerbstätigkeit, Haushalt und Kinderbetreuung. Vor allem sie zahlen in der Regel mit Karriereknick und Einkommensverlust &#8211; als langfristige Festlegung vertragen sich Kinder nicht mit dem herrschenden Anspruch an Flexibilität und Mobilität. […]</p>
<p>Es sei eine „Rushhour des Lebens&#8221; entstanden, ein Lebensstau, den junge Erwachsene heute zu bewältigen hätten, urteilt der Soziologe Hans Bertram. Tatsächlich bleiben üblicherweise fünf bis sieben Jahre, um sich beruflich zu etablieren, eine stabile Partnerschaft aufzubauen und Kinder zu zeugen, bevor die Biologie beginnt, Grenzen zu setzen. Es sind Mammutaufgaben in einer Rekordzeit, die viele nicht erreichen &#8211; also verschieben sie die Kinderfrage. Politisch gesehen seien späte Eltern trotz all ihrer Vorzüge daher „Schlüsselfiguren einer überforderten Generation&#8221;, schließt Bertram, lauter Beweise für die widrige Ökonomisierung des Daseins. Entsprechend grundlegend sind die Reformvorschläge des Politikberaters. Finanzielle Anreize und ein Ausbau von Infrastruktur reichten nicht aus, argumentiert er. Dass Geld allein keine Kinder schafft, zeigen auch die jüngsten Prognosen, denen zufolge die Geburtenrate trotz Elterngeld, Krippen-Offensive und Ganztagsschulen nicht steigen wird. „Natürlich sind Ganztagsschulen unverzichtbar, die verlässlich bis in den späten Nachmittag hinein geöffnet haben und Eltern außerdem aus der Verantwortung für Nachhilfe und Hausaufgaben entlassen&#8221;, sagt Bertram. „Aber in erster Linie müssen wir unsere Ideen von Ausbildung und Arbeit überdenken.“ „Unser System aber ist so starr, dass wir Frauen einen Teil ihrer Kompetenzentwicklung nehmen, wenn sie sich zu früher Mutterschaft entschließen&#8221;, kritisiert auch der Bremer Soziologe Huinink. „Wir brauchen verlässliche Karriereaussichten in Teilzeitjobs. Qualifizierte Frauen müssen die Gewissheit haben, dass ihnen Führungskräftetrainings und Spitzenpositionen trotz Kindern offenstehen.&#8221; Dann, meint der Soziologe, würden sich viele wohl früher für eines entscheiden. Die Einsicht, dass die klassischen biografischen Muster nicht zukunftsträchtig sind, ist längst auch in die Politik eingezogen […]: Väter und Mütter sollen die Elternzeit flexibler handhaben können; bei Karrieren im Öffentlichen Dienst soll Kindererziehung positiv berücksichtigt werden, und das Elterngeld soll sich künftig 28 Monate lang ohne finanzielle Einbußen mit einer Teilzeitarbeit kombinieren lassen, um den Anschluss an das Berufsleben zu erleichtern.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Klausur: Sozialstaat Deutschland – Was sind geeignete Maßnahmen zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit?</title>
		<link>https://dvpb-nw.de/klausur-sozialstaat-deutschland-was-sind-geeignete-massnahmen-zur-bekaempfung-sozialer-ungleichheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[dvpb]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Oct 2017 17:41:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inhaltsfeld VI]]></category>
		<category><![CDATA[Klausuren]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Ungleichheit]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>
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					<description><![CDATA[Thema: Sozialstaat Deutschland – Was sind geeignete Maßnahmen zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit? (SW GK Q1) Inhaltsfeld 6: Strukturen sozialer Ungleichheit, sozialer Wandel und soziale Sicherung  Erscheinungsformen und Auswirkungen sozialer Ungleichheit Modelle und Theorien gesellschaftlicher Ungleichheit Sozialstaatliches Handeln Aufgabenart: Darstellen – Analysieren – Diskutieren Aufgaben: 1. Stelle den Begriff der sozialen Ungleichheit hinsichtlich der Dimensionen und  [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Thema</strong>: Sozialstaat Deutschland – Was sind geeignete Maßnahmen zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit? (SW GK Q1)</p>
<p><i><strong>Inhaltsfeld</strong> 6: Strukturen sozialer Ungleichheit, sozialer Wandel und soziale Sicherung </i></p>
<ul>
<li><i>Erscheinungsformen und Auswirkungen sozialer Ungleichheit</i></li>
<li><i>Modelle und Theorien gesellschaftlicher Ungleichheit</i></li>
<li><i>Sozialstaatliches Handeln </i></li>
</ul>
<p><b>Aufgabenar</b>t: Darstellen – Analysieren – Diskutieren</p>
<p><b>Aufgaben:</b></p>
<p>1. Stelle den Begriff der sozialen Ungleichheit hinsichtlich der Dimensionen und Indikatoren dar. Verdeutliche eine Dimension an einem selbstgewählten Beispiel. <i>(24 Punkte)</i></p>
<p>2. Analysiere die Rede, indem du die Position und Argumentations-struktur von Daniela Kolbe zur sozialen Ungleichheit herausarbeitest. <i>(46 Punkte)</i></p>
<p>3. Erörtere ausgehend vom Text, ob die Einführung einer Vermögenssteuer/Erbschaftssteuer und der Mindestlohn geeignete Mittel zur Verringerung der sozialen Ungleichheit sind. <i>(30 Punkte)</i></p>
<p><b>Materialgrundlage:</b></p>
<p><b>Quelle:</b>  Rede von MdB Daniela Kolbe (SPD) anlässlich der Aktuellen Stunde zu aktuellen Armuts- und Reichtumsstudien am 1.2.2016 im Bundestag<b> (</b><a href="http://www.daniela-kolbe.de/berlin/reden/rede-zur-aktuellen-stunde-ungerechte-vermoegensverteilung-deutschland">http://www.daniela-kolbe.de/berlin/reden/rede-zur-aktuellen-stunde-ungerechte-vermoegensverteilung-deutschland</a> (14.5.2017))</p>
<p><b>Zur Verfasserin</b><i>: Daniela Kolbe ist als Leipziger SPD-Abgeordnete Mitglied des Bundestags und Mitglied im zuständigen Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales.</i></p>
<p><strong>Text (Rede):</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!</p>
<p>Wenn so unterschiedliche Organisationen wie die Weltbank, der Internationale Währungsfonds, aber auch der DGB, die OECD und sogar das Weltwirtschaftsforum das Gleiche sagen, dann ist das zunächst einmal irritierend. Es lässt einen stutzen und ins Grübeln kommen. Es zeigt aber auch, dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen. Denn alle gemeinsam sagen, dass die wachsende globale Ungleichheit ein Riesenproblem für unsere Welt ist, das wir dringend angehen müssen. Das sage ich auch Ihnen, Herr Dr. Zimmer, weil Sie gerade von akzeptabler Ungleichheit gesprochen haben. Das, was wir weltweit sehen, ist vollkommen inakzeptabel.</p>
<p>Diese Ungleichheit ist in vielerlei Hinsicht ein Problem: zunächst einmal für die Betroffenen, für die Ärmsten in den Gesellschaften, die nach den Studien nicht nur relativ, sondern auch in absoluten Zahlen ärmer werden. In manchen Ländern geht es da ums nackte Überleben. Aber auch in Deutschland geht es für die Betroffenen um Lebenschancen, um Teilhabe. Es ist aber auch ein Problem für ganze Volkswirtschaften. Studien der OECD besagen glasklar: Einkommensungleichheit ist eine Wachstumsbremse – auch in Deutschland. Insofern widerspreche ich Ihnen da ganz klar, was das Akzeptieren angeht.</p>
<p>Ungleichheit ist aber auch an anderen Stellen negativ, nicht nur für die Ärmsten und für die Volkswirtschaft, sondern für alle Betroffenen der jeweiligen Gesellschaft. Das ist unterhaltsam, aber auch sehr erschreckend nachzulesen in dem Buch Gleichheit ist Glück; es ist schon etwas länger auf dem Markt und macht ganz deutlich: In Gesellschaften mit hoher Ungleichheit sind die Menschen unzufriedener, sie fühlen sich unsicherer, und auch das Bildungsniveau nimmt ab. Der Bildungserfolg der Kinder in diesen Gesellschaften nimmt ab.</p>
<p>Ich möchte mich hier gar nicht in einzelne Zahlen oder Studien verlieren. Fakt ist doch: Die Schere zwischen Arm und Reich klafft auch in Deutschland aus unserer Sicht zu weit auseinander, und sie schließt sich nicht so, wie wir uns das wünschen.</p>
<p>Für uns Sozialdemokraten ist es ein Ansporn, und wir sagen selbstbewusst: Wir haben auch schon jede Menge getan. Zur guten Arbeitsmarktsituation in Deutschland sagen wir selbstbewusst: Das haben Sozialdemokraten organisiert.</p>
<p>Wenn wir uns die Primärverteilung anschauen, also die Einkommensverteilung vor Steuern und Sozialabgaben, dann sagen wir Sozialdemokraten – das ist für uns ein ganz aktuelles, wichtiges Thema –: Wir haben den Mindestlohn umgesetzt und durchgekämpft, wir haben die Tarifbindung gestärkt und werden das weiter tun, und wir regulieren Leiharbeit und Werkverträge.</p>
<p>Auch für die sekundäre Verteilung – zum Beispiel im Sozialsystem – haben wir einiges getan. Wir sind die Situation von Alleinerziehenden endlich angegangen; denn die sind besonders von Armut bedroht. Wir haben das Thema Langzeitarbeitslosigkeit auf der Agenda. Andrea Nahles hat hier Programme aufgelegt, und wir werden weiter dafür streiten. (…)</p>
<p>Wir wollen auch mehr Steuergerechtigkeit. (…) es bleibt richtig, dass sehr reiche Menschen, dass sehr breite Schultern auch mehr tragen können und müssen. Das gilt insbesondere für Kapitalerträge und für sehr große Erbschaften. Ich rede hier von Villen und nicht von Omas kleinem Häuschen. Aber bei den 25 Prozent haben wir uns an dieser Stelle nicht durchsetzen können. Wer mehr Steuergerechtigkeit durchsetzen möchte, der muss das Kreuz auch an der richtigen Stelle machen.</p>
<p>Meine Beispiele zeigen auch: Steuern sind wichtig, aber der Staat kann eben auch an vielen anderen Stellen für die Verteilung vieles erreichen.</p>
<p>Und wir tun das auch. Zentral ist auch, wie man mit der Verteilungsfrage mental umgeht. Wir Sozialdemokraten sagen: Nicht kleinreden, nicht wegschauen. Wir schauen genau hin. Deswegen haben wir auch den Armuts- und Reichtumsbericht initiiert; dieser wird im Sommer zum fünften Mal vorgelegt werden mit Schwerpunkten wie beispielsweise atypische Beschäftigung, Kinderarmut und auch Reichtum, über den wir in Deutschland erschreckend wenig wissen. (…) Und ich freue mich auf die wichtigen Debatten zu diesem Bericht noch in diesem Jahr. Denn ich finde, es ist eine ganz zentrale Debatte – nicht, um sich unbedingt zu profilieren, sondern um das Thema anzugehen und zu mehr Verteilungsgerechtigkeit in unserem Land zu kommen.</p>
<p>Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Klausur: Sozialer Wandel (LK Q1)</title>
		<link>https://dvpb-nw.de/klausur-sozialer-wandel-lk-q1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[dvpb]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Apr 2017 21:02:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inhaltsfeld VI]]></category>
		<category><![CDATA[Klausuren]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaftlicher Wandel]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialer Wandel]]></category>
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					<description><![CDATA[Thema: Welche Zukunftsperspektiven hat die Generation Z? Aufgaben Beschreiben Sie den sozialen Wandel der letzten Jahrzehnte in Deutschland anhand von zwei Bereichen. a) Analysieren Sie den Text hinsichtlich der Position des Autors zur  „Generation Z“. b) Arbeiten Sie zwei Aspekte der Individualisierungsthese nach Beck aus dem Text heraus. 3. Erörtern Sie die Zukunftsperspektiven der „Generation Z“  [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Thema: <b><i>Welche Zukunftsperspektiven hat die Generation Z?</i></b></p>
<p><b>Aufgaben</b></p>
<ol>
<li>Beschreiben Sie den sozialen Wandel der letzten Jahrzehnte in Deutschland anhand von zwei Bereichen.</li>
<li>a) Analysieren Sie den Text hinsichtlich der Position des Autors zur  „Generation Z“.</li>
</ol>
<p style="padding-left:30px;">b) Arbeiten Sie zwei Aspekte der Individualisierungsthese nach Beck aus dem Text heraus.</p>
<p style="padding-left:30px;">3. Erörtern Sie die Zukunftsperspektiven der „Generation Z“ in der Arbeitswelt einer „digitalen Gesellschaft“ (Z.45f). Berücksichtigen Sie dabei zwei Chancen und zwei Risiken. Nehmen Sie abschließend kriterienorientiert Stellung zur Position des Autors.</p>
<p><b>Materialgrundlage: </b>Johann Stephanowitz: Uns eint die Panik; Zeit Online; 13. Juli 2016 (http://www.zeit.de/karriere/2016-07/generation-z-abitur-berufseinstieg-digitaler-wandel/)</p>
<p>Johann Stephanowitz machte 2016 Abitur in Berlin und sammelte erste journalistische Erfahrungen als Chefredakteur einer Schülerzeitung, beim Tagesspiegel, Politik Orange und im Vorstand der Jungen Presse Berlin. Er lebt in Berlin, studiert Kulturwirtschaft sowie Europäische Ethnologie und arbeitet als freier Journalist.</p>
<p><strong>Text:</strong></p>
<p>Die Welt steht uns offen, heißt es. Wir Abiturienten könnten beruflich doch alles machen, heißt es. Der Arbeitsmarkt gebe das her, heißt es. Fachkräfte seien rar und keine andere Generation sei so gut ausgebildet, technikaffin und weltoffen aufgewachsen wie wir. Generation Z werden wir genannt. [..] Die meisten von uns sind nur noch zwölf Jahre zu Schule gegangen. Wir sind mit Smartphones und sozialen Netzwerken aufgewachsen. Und waren oft das i-Tüpfelchen im Leben unserer Eltern, die oft wie Helikopter um uns kreisten. Jetzt verlassen wir die Schule und sollen raus in die große Welt, auf den Arbeitsmarkt. Und die vermeintliche Freiheit fühlt sich wenig befreiend an. Schon Monate vor dem Abschluss haben wir uns gegenseitig gefragt: &#8220;Und? Was machst du nach dem Abi?&#8221; Aber die meisten hatten keine Antwort darauf. Nicht zuletzt auch, weil der Arbeitsmarkt tief im digitalen Wandel steckt und Europa von einer Krise nach der nächsten erschüttert wird. Niemand weiß, ob Europa in dieser Form eine Zukunft haben wird, ob der Euro stabil bleiben wird oder welche Branche wirklich Zukunft hat. Eltern, Lehrer, ältere Geschwister – alle sind tief verunsichert und können uns keine Antwort darauf geben, was denn &#8220;ein sicheres Ding&#8221; sei. Schule – das war ein sicheres Ding mit verständlichen Regeln. Eine überschaubare Welt. Wir lernten, wie man Analysen von Goethe-Gedichten und Erörterungen romantischer Kunstmärchen schreibt. Wie man Geraden durch Kugeln schießt. Oder wie man lateinische Texte übersetzt und das Versmaß derselbigen bestimmt. Wir wussten: Wenn die Noten ausreichen, ist die Versetzung nicht gefährdet. Und wir lernten auch, dass es sich lohnen kann, sich reinzuhängen – weil man dann mit einer guten Note belohnt wird. All dieses überschaubare Wissen wird nun auf einem Stück Papier in Form einer Durchschnittsnote qualitativ für den Arbeitsmarkt erfasst. Ähnlich einem Lebensmittelsiegel, dass einem im Supermarkt die Qualität eines Produktes anzeigt. Und der Personaler steht dann vor dem Regal und grabbelt sich die Sachen mit dem besten Prädikat raus, während die mit dem schlechten in der Ecke vergammeln dürfen. Aber reicht ein Abitur-Gütesiegel wirklich, um in der realen, global vernetzten Arbeitswelt bestehen zu können oder überhaupt Fuß fassen zu können? [..] Das Konzept einer modernen Schule ist, dass man das Lernen lernt. Doch Fakt ist, dass die Schule einen nur wenig auf das Leben in einer digitalen Gesellschaft vorbereitet. Die Methoden des Unterrichtens haben sich nur wenig verändert. Und in Sachen Zukunftsorientierung haben die meisten weiterführenden Schulen wenig zu bieten. [..] Die naheliegende Antwort, die uns auch von Eltern und Lehrern eingebläut wird, lautet dann: Geh erst einmal studieren. [..] Und so streben wir an die Hochschulen und Universitäten. Die Statistik zeigt: Die Zahl der Abiturienten und Studienanfänger ist seit vielen Jahren steigend. Das führt in vielen Berufen und Branchen zu einer zunehmenden Akademisierung. Die Bildungsfernen und Schwachen gehen jetzt schon unter und landen oftmals in der Dauerarbeitslosigkeit, wie etwa in Spanien oder Griechenland. Und bei uns? Da studieren die meisten ein Fach, ohne sich dazu berufen zu fühlen. Da schließen Haupt- und Realschüler die Hochschulreife an, um bloß eine Chance zu haben. Da findet der Mittelstand keine Lehrlinge mehr für normale Ausbildungsberufe.  Hat man dann den Bachelor oder Master, sind viele schon Ende 20. Und dann? [..] Dann heißt es Klinken putzen und sich von einem mies bezahlten Praktikum zum nächsten zu hangeln. Jeder zweite neue Arbeitsvertrag ist nur befristet. Viele hängen die ersten Jahre im Job sowieso in Kettenbefristungen fest. [&#8230;] Und so werden viele von uns irgendwann zu scheinselbständigen Freelancern. Glaubt man Zukunftsforschern, ist das sowieso das Arbeitsmodell der Zukunft. Aber wirtschaftliche und soziale Sicherheit sieht anders aus.  Mit diesen Szenarien im Kopf entscheiden sich andere dann lieber gleich für den angepassten Weg des Selbstoptimierers, der sich in seinem Lebenslauf keinen Schnitzer erlauben will. [..] Die Vertreter dieser Gruppe büffeln für das Einser-Abitur, von dem es Jahr für Jahr immer mehr gibt. [..] Nicht wenige können aber irgendwann im späteren Leben nicht mehr – und brennen aus. [..] Ich glaube, dass es sich lohnt, sich nicht dem Selbstoptimierungswahn des Arbeitsmarktes hinzugeben, sondern anzupacken und mitzugestalten – und dafür materiell Abstriche zu machen. Denn, das ist richtig, meine Generation versteht unter Arbeit vor allem auch eine sinnvolle Tätigkeit. Wir sind nicht unpolitisch, auch wenn wir mit Smartphones und sozialen Netzwerken aufgewachsen sind. Wir sind vielleicht sogar politischer als andere Generationen vor uns. Wir setzen uns für Geflüchtete und gegen Rechtsextremismus, Sexismus und Xenophobie1 ein. Vielleicht liegt in diesem idealistischen Weg dann die große Freiheit, die uns versprochen wird. Denn wenn vor allem Unsicherheit unsere Zukunft bestimmt, sind auch alle Wege offen, uns unseren individuellen Weg zu bahnen. Und dabei die Welt ein Stückchen gerechter und vielleicht auch sicherer zu machen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Klausur: Chancengleichheit statt Umverteilung</title>
		<link>https://dvpb-nw.de/klausur-chancengleichheit-statt-umverteilung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[dvpb]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Apr 2016 19:45:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inhaltsfeld VI]]></category>
		<category><![CDATA[Klausuren]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Chancengerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Ungleichheit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://dvpbmitglieder.wordpress.com/?p=6215</guid>

					<description><![CDATA[Aufgabenart: Analyse – Darstellung – Diskussion Thema: Chancengleichheit statt Umverteilung, wie soll man die soziale Ungleichheit auflösen? Aufgabenstellung: Analysieren Sie den vorliegenden Text hinsichtlich der von Beise genutzte Argumentation zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit in Deutschland.                                           [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Aufgabenart:</b></p>
<p><b> </b>Analyse – Darstellung – Diskussion</p>
<p><b>Thema:</b></p>
<p><b> </b>Chancengleichheit statt Umverteilung, wie soll man die soziale Ungleichheit auflösen?</p>
<p><b>Aufgabenstellung:</b></p>
<ol>
<li><b>Analysieren</b> Sie den vorliegenden Text hinsichtlich der von Beise genutzte Argumentation zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit in Deutschland.                                                  <i>(50 Punkte)</i></li>
</ol>
<ol>
<li><b>Nenne</b> drei Grundvorstellungen von sozialer Gerechtigkeit und <b>stelle</b> eine dieser Grundvorstellungen strukturiert <b>dar</b> <i>(Grundidee, Probleme, Umsetzung in Deutschland)</i>         <i>(30 Punkte)</i></li>
</ol>
<ol>
<li><b>Nimm Stellung</b> zum Vorschlag Beises, das Bildungssystem finanziell besser auszustatten, um mehr (Start-)Chancengerechtigkeit herzustellen.<i> (Einleitung, diskursiver Hauptteil, eigene begründete Position!)                                                                                                                 </i><i>(20 Punkte)</i></li>
</ol>
<p><b>Textgrundlage:</b></p>
<p>Beise, Marc: Den Reichen nehmen hilft den Armen nicht. Aus: Süddeutsche Zeitung, 14.03.2016. (gekürzt)</p>
<p>Dr. Marc Beise ist Leiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutsche Zeitung und Verfasser verschiedener ökonomischer Sachbücher. Er selbst bezeichnet sich als „Neoliberalen“ und „Ordnungspolitiker“ in der ursprünglichen Bedeutung.</p>
<p><strong>Text</strong></p>
<p><b>Den Reichen nehmen hilft den Armen nicht</b></p>
<p>Wohlstand für alle, dies war einst das Ziel von Ludwig Erhard, Vater des Wirtschaftswunders, Minister und später CDU-Bundeskanzler; das Buch mit dem berühmten Titel erschien 1957. Knapp 60 Jahre später sei dagegen &#8220;Wohlstand für wenige&#8221; die Wirklichkeit in Deutschland, sagt Marcel Fratzscher, Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW und derzeit einflussreichster Ökonom im politischen Berlin. (…)</p>
<p>Dass Deutschland immer ungleicher wird, und dass dies übrigens die Schuld der Regierenden von Kohl über Schröder bis Merkel sei, ist eine verbreitete Sichtweise. Aber wächst die Ungleichheit überhaupt &#8211; in Deutschland, in Europa, in der Welt? Und wenn ja, kann man das ändern? Und soll man es überhaupt? Darüber diskutieren seit Jahren Ökonomen, Philosophen und andere kluge Menschen. Schon die Frage, ob Ungleichheit überhaupt ungerecht ist oder sich einer solchen Kategorisierung entzieht, ob sie ferner nicht vielleicht sogar hilft, mehr Fortschritt und Wachstum anzustoßen und am Ende für mehr Wohlstand zu sorgen &#8211; darüber kann man lange streiten. (…)</p>
<p>Am besten belegt ist, erstens, die These der wachsenden Ungleichheit beim Vermögen. Mehr als die Hälfte des Volksvermögens in Deutschland, das kann man wohl sagen, gehört den reichsten zehn Prozent, während 40 Prozent der Haushalte gar kein nennenswertes Vermögen haben. Schwieriger ist es schon beim zweiten, viel wichtigeren Thema, dem laufenden Einkommen. Wenn man hier, wie das häufig geschieht, die vergangenen 25 Jahre, also seit 1990, zugrunde legt, sieht man die viel zitierte sich immer weiter öffnende Schere. Wenn man allerdings nur die vergangenen zehn Jahre nimmt, stellt man fest, dass sich da seit 2005 nix mehr öffnet. Die Arbeitseinkommen steigen heute im Gleichklang mit den Kapitaleinkommen. Einzelne Supereinkommen sind spektakulär, fallen aber statistisch kaum ins Gewicht.</p>
<p>Die Entwicklung ist auch nicht Folge einer gnadenlosen Politik für Reiche, sondern erklärt sich durch die Globalisierung, die technische und wirtschaftliche Entwicklung und andere Faktoren &#8211; genau das macht es so schwer, den Trend zu wenden. Es hilft den vielen Armen nicht, den vergleichsweise wenigen Reichen stärker zu Leibe zu rücken. Ohnehin findet in Deutschland über das Steuer- und Sozialsystem bereits eine gewaltige Umverteilung statt (…).</p>
<p>Deswegen wäre es so wichtig, sich hier nicht zu verzetteln, sondern sich lieber dem dritten Bereich zuzuwenden: der Chancengleichheit, um die es in Deutschland tatsächlich deutlich schlechter bestellt ist als in vergleichbaren Industriestaaten. Und sie ist nun wirklich ungerecht: Aus der Schicht, in die man geboren wird, gibt es kaum ein Entkommen. (…)</p>
<p>Das hat viele Gründe, zum Beispiel ein zu wenig durchlässiges Schulsystem und eine unzureichende Förderung der frühkindlichen Prägung. Das alles ist seit Jahren bekannt, aber nicht wirklich bekämpft. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Bildung sogar einmal zur Chefsache gemacht hat, bevor Euro- und jetzt Flüchtlingskrise dazwischenkamen.</p>
<p>Übrigens: Erst recht, wer die Zuwanderung zu einem Erfolg machen will, wer es &#8211; mit der Kanzlerin gesprochen &#8211; &#8220;schaffen&#8221; will, der muss hier investieren und zwar viel mehr, als bisher investiert wird. Man kann das sehr konkret machen, kann über den Kita-Ausbau reden, über mehr Lehrer und Erzieher, die deutlich besser bezahlt werden müssen, über bessere Schulen und Förderprogramme in ärmeren Stadtvierteln.</p>
<p>Hierfür zu kämpfen, ist zielführender als zähe Debatten über die Wiedererhebung der Vermögensteuer, die unendlich bürokratisch ist und geringe Erträge bringt, über höhere Erbschaftsteuern, die Familienbande gering schätzen, oder über die Anhebung des Spitzensteuersatzes, der wegen des Steuersystems doch wieder vor allem die Mittelschicht trifft.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Klausur: Gesellschaftsstruktur in der BRD</title>
		<link>https://dvpb-nw.de/klausur-gesellschaftsstruktur-in-der-brd/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[dvpb]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2014 21:31:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inhaltsfeld VI]]></category>
		<category><![CDATA[Klausuren]]></category>
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					<description><![CDATA[Thema: Gesellschaftsstruktur der Bundesrepublik Deutschland –  können Schulen die soziale Ungleichheit aufheben? Aufgabenstellung: Stellen Sie ein soziologisches Modell zur sozialen Schichtung der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland dar. (20 Punkte) Analysieren Sie den vorliegenden Text, indem Sie die Position der Autorin zur Chancengleichheit in der Bundesrepublik Deutschland und ihre Argumentationsstruktur herausarbeiten. Arbeiten Sie hierbei insbesondere Bezüge  [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><strong>Thema</strong>:<br />
<em><strong>Gesellschaftsstruktur der Bundesrepublik Deutschland –  können Schulen die soziale Ungleichheit aufheben?</strong></em></p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Aufgabenstellung</strong>:</p>
<ol style="text-align:justify;">
<li>Stellen Sie ein soziologisches Modell zur sozialen Schichtung der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland dar. (20 Punkte)</li>
<li>Analysieren Sie den vorliegenden Text, indem Sie die Position der Autorin zur Chancengleichheit in der Bundesrepublik Deutschland und ihre Argumentationsstruktur herausarbeiten. Arbeiten Sie hierbei insbesondere Bezüge zu den Ihnen bekannten Klassen-, Schicht- und Milieumodellen heraus. (40 Punkte)</li>
<li>Diskutieren Sie, inwiefern Veränderungen in Schulen einen entscheidenden Beitrag zur Verringerung der sozialen Ungleichheit in Deutschland leisten könnten. Berücksichtigen Sie hierbei sowohl Chancen als auch Grenzen der Schulpolitik. (20 Punkte)</li>
</ol>
<p style="text-align:justify;"><strong>Textgrundlage</strong>:</p>
<p style="text-align:justify;">Lisa Herzog: „Gleiche Chancen?“</p>
<p style="text-align:justify;">Erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 04.08.2013, leicht gekürzt.</p>
<p style="text-align:justify;"><b>Zur Person:</b></p>
<p style="text-align:justify;">Lisa Herzog (29) studierte Volkswirtschaftslehre und Philosophie in München und Oxford. In Oxford promovierte sie 2011 mit einer ideengeschichtlichen und zugleich systematischen Arbeit über Adam Smith und G. W. F. Hegel: Es geht darum, ob soziale Gerechtigkeit mit oder gegen die Märkte erreicht werden kann. Seit April 2013 arbeitet Lisa Herzog als Postdoc am Institut für Sozialforschung und am Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“ in Frankfurt und forscht über „moralische Akteure am Finanzmarkt“. (Quelle: faz.net)</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><b>Text</b></p>
<p style="text-align:justify;"><b>Gleiche Chancen? </b></p>
<p style="text-align:justify;">Die Sommerferien sind vielleicht die Zeit des Jahres, in der die Gegensätze zwischen den Lebenswelten deutscher Kinder und Jugendlicher die krasseste Form annehmen. Da sind die bildungsbürgerlichen Einzelkinder, die nun der vollen Hingabe ihrer Eltern ausgeliefert sind. Sie werden vom Ballett- zum Chinesischunterricht gekarrt, vielleicht ergänzt um einen Sommerkurs mit einer englischsprachigen Yogalehrerin. Von klein auf lernen sie, sich eine politische Meinung zu bilden, lateinische Fremdwörter werden nicht nur erklärt, sondern auf Wurzel und Präfix1 zurückgeführt. Über Schul-, Musikschul- und Tanzschulerfolg wachen die Eltern mit Argusaugen &#8211; in Nordamerika wurde die wunderbare Vokabel „Helikopter-Eltern“ dafür erfunden. Und auch, wenn manche von ihnen heimlich den Kopf schütteln über den Aufwand, der da getrieben wird: Dürfte man für derartige Überzeugungen die Zukunft des eigenen Kindes aufs Spiel setzen, wenn alle das Spiel mitspielen?</p>
<p style="text-align:justify;">Wer die gentrifizierten2 Viertel der Städte verlässt, sieht die andere Seite des Lebens. Dort, wo die Mieten günstiger und die kulturellen Hintergründe gemischter sind, finden sich Kinder, die eine unbehütetere Kindheit haben: die stundenlang auf den Straßen und Hinterhöfen spielen, ihre jüngeren Geschwister hütend, den rostigen Spielplätzen und sich selbst überlassen. Dort gibt es keinen Wettbewerb um Plätze in Orff-Gruppen3 oder englischsprachige Kitas, mehrsprachig ist man sowieso, es hapert eher an der mangelnden Unterstützung bei der Bildung deutscher Adjektivendungen.</p>
<p style="text-align:justify;">[&#8230;]</p>
<p style="text-align:justify;">Außerdem greifen im Bildungsbereich soziale Netzwerkeffekte. Wer von den „richtigen“ Leuten umgeben ist, bekommt die richtigen Tipps und hat die entscheidenden Kontakte. Kinder von Eltern, in deren Freundeskreis sich Ärzte, Ingenieurinnen, und Professoren bewegen, haben Rollenvorbilder und Gesprächspartner, die ihnen dabei helfen können, sich beruflich zu orientieren. Jemand kennt jemand, der jemanden kennt, der einen Praktikumsplatz zu vergeben hat, oder der von den Freunden in Frankreich weiß, die eine Partnerfamilie für einen Austausch suchen. Keine einzelne dieser Handlungen ist an sich ausschlaggebend; niemandem wird damit direkt geschadet, im Gegenteil: Man freut sich, helfen zu können. Aber die Summe derartigen Verhaltens führt doch dazu, dass der Startvorteil mancher Kinder erheblich ist, während andere abgehängt werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Selbst wenn die Sorge um den eigenen Nachwuchs in den bürgerlichen Schichten weniger neurotische und verkrampfte Formen annähme, als dies gegenwärtig oft behauptet wird, bliebe das Problem bestehen. Elternliebe, Freundschaftsdienste und die unmöglich zu verhindernden Vorteile, die Kinder haben, die aus den „richtigen“ Elternhäusern kommen, werden insgesamt zu einer Bedrohung für einen der zentralen Werte demokratischer Rechtsstaaten: die Chancengleichheit. Dass völlige Gleichheit in der Endverteilung schwer realisierbar und vielleicht gar nicht wünschenswert ist, haben auch viele, die sich politisch im linken Spektrum verorten, anerkannt. Aber umso wichtiger wird die Frage danach, ob Kinder aus allen Elternhäusern eine gleiche Chance darauf haben, ihre Talente zu entwickeln und diejenigen Berufe zu ergreifen, die ihren Vorlieben und Fähigkeiten am besten entsprechen. Das Bemühen bildungsbürgerlicher Eltern um den eigenen Nachwuchs scheint genau diesen Wert zu bedrohen.</p>
<p style="text-align:justify;">[&#8230;]</p>
<p style="text-align:justify;">Es sind [aber] nicht die Eltern [&#8230;], die Kritik verdienen &#8211; höchstens aus der Perspektive der ballett- und chinesischunterrichtgeplagten Kinder -, sondern die Politik, und damit letztlich wir alle als Bürger. Und es ist ja auch nicht so, dass das Thema die Öffentlichkeit nicht beschäftigen würde. Viele Rezepte sind bekannt und haben sich in Einzelfällen wunderbar bewährt, sei es, dass die Schulen mit umfassenden Bildungskonzepten Defizite in den Elternhäusern ausgleichen, sei es durch zivilgesellschaftliche Initiativen, die informelles Mentoring4 und psychologische Unterstützung anbieten. Aber es scheint der Wille &#8211; was in vielen Fällen konkret heißt: das Geld &#8211; zu fehlen, derartige Maßnahmen flächendeckend umzusetzen. Dabei wären hier investierte Mittel gut angelegt, denn die Folgekosten von mangelnder Bildung und sozialer Exklusion ziehen sich über Jahrzehnte. Es geht, wohlgemerkt, nicht um Gleichmacherei und die Verleugnung von Leistungsunterschieden. Aber es geht darum, dass individuelle Förderung und das Entdecken unterschiedlicher Talente innerhalb eines gemeinschaftlichen Rahmens stattfindet, der allen eine Chance darauf gibt.</p>
<p style="text-align:justify;">[&#8230;]</p>
<p style="text-align:justify;">Vielleicht ist es ein Missverständnis dessen, was staatliche Schulpolitik leisten kann und soll, das hinter dem mangelnden Willen steckt, etwas zu verändern. Ein immer wieder gehörter Einwand lautet nämlich: Schulen können das, worum es hier geht, sowieso nicht leisten. Sie können nicht wettmachen, dass manche Kinder von klein auf mit Büchern aufwachsen und andere nicht, dass es in manchen Elternhäusern selbstverständlich ist, bei den Hausaufgaben zu helfen, und in anderen eher die Kinder den Eltern helfen müssen, im Alltag zurechtzukommen. Das stimmt &#8211; aber es ist nicht das einzige, worauf es bei einer gelingenden Schulpolitik ankommt. Es geht auch darum, Räume gesellschaftlicher Begegnung zu schaffen, die über den schulisch vermittelten Stoff und das Bewerbungstraining hinausgehen. Wo öffentliche Schulen so gut sind, dass alle, oder fast alle, Familien ihre Kinder dorthin schicken, entstehen Freundschaften. Kinder lernen, was für unterschiedliche Lebens- und Arbeitsformen es in unserer Gesellschaft gibt. Familien lernen sich kennen, die sich ansonsten kaum über den Weg laufen würden, und das Engagement aktiver Eltern kommt den Schulgemeinschaften als Ganzen zugute. All die soziologischen Effekte, die sonst nur innerhalb verschiedener Milieus greifen und diese zementieren, greifen dann im Idealfall auch für Kinder aus anderen Schichten. Die Schulgemeinschaften werden farbiger, und die Stärkeren ziehen die Schwachen mit.</p>
<p style="text-align:justify;">Eine Utopie? Vielleicht. Aber eine, die doch realistische Chancen auf Umsetzung hätte &#8211; wenn alle Eltern an einem Strang ziehen würden. Die Weichen, die in der Kindheit und Jugend gestellt werden, prägen Gesellschaften auf Jahrzehnte. Derzeit sind sie vielerorts auf ein immer weiteres Auseinanderdriften der Milieus gestellt. Dadurch entsteht ein immer aufreibenderer Wettbewerb um die besseren Plätze auf der einen, und ein immer hoffnungsloseres Abgehängtwerden auf der anderen Seite. Die tiefergehenden gesellschaftlichen Folgen lassen sich erahnen, und sie verheißen wenig Gutes. Was verlorengeht, sind die Erfahrung von Gemeinschaft, Begegnungen über die Schichten hinweg, und ein Sinn von Normalität. Aber nach genau dieser Normalität scheinen sich, über alle sozialen Schichten hinweg, sehr viele Eltern zu sehnen, vielleicht auch viele derjenigen, die aus schierer Unsicherheit zu Helikopter-Eltern geworden sind. Wenn deren Anstrengungen weg vom individualistischen Kampf für den eigenen Nachwuchs zu politischem Engagement für eine bessere Schulpolitik würden, könnten am Ende alle profitieren &#8211; die Gesellschaft, die Eltern, und vor allem alle Kinder.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mündliche Prüfung: Mindestlohn (Inhaltsfeld V)</title>
		<link>https://dvpb-nw.de/ist-der-mindestlohn-gesellschaftsvertraglich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[dvpb]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 May 2014 14:23:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inhaltsfeld VI]]></category>
		<category><![CDATA[Klausuren]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Mindestlohn]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Tarifpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[Thema  Ist der Mindestlohn gesellschaftsverträglich?   Aufgaben  Analysieren Sie den vorliegenden Artikel im Hinblick auf die Position des Autors zum inzwischen eingeführten Mindestlohn in Deutschland. Diskutieren Sie eine andere politische Maßnahme zur Bekämpfung von Armut (z. B. Erhöhung der ALG-II-Sätze, Erhöhung der Renten, Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen zur Integration in den Arbeitsmarkt).   Materialgrundlage Kolja Rudzio:  [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Thema </b></p>
<p>Ist der Mindestlohn gesellschaftsverträglich?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Aufgaben </b></p>
<ol>
<li>Analysieren Sie den vorliegenden Artikel im Hinblick auf die Position des Autors zum inzwischen eingeführten Mindestlohn in Deutschland.</li>
<li>Diskutieren Sie eine andere politische Maßnahme zur Bekämpfung von Armut (z. B. Erhöhung der ALG-II-Sätze, Erhöhung der Renten, Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen zur Integration in den Arbeitsmarkt).</li>
</ol>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Materialgrundlage</b></p>
<p>Kolja Rudzio: <i>Mindestens zweifelhaft.</i> In: Die Zeit vom 2.4.2014 (leicht gekürzt)</p>
<p>Der Autor ist promovierter Ökonom und ist als Redakteur im Wirtschaftsressort der überregionalen Wochenzeitung „Die Zeit“ tätig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Mindestens zweifelhaft</b></p>
<p>Mit 8,50 Euro kann man zwölf Liter Milch kaufen, ein Musikalbum bei iTunes oder vier Paar Socken. Richtig viel ist das nicht. Dennoch sollen sie das Land umkrempeln. Sie sollen für Gerechtigkeit sorgen, für Würde und für ein Leben ohne Armut. Das glauben, hoffen, erwarten viele Befürworter des geplanten Mindestlohns. […] Nach jahrelangen, erbitterten Debatten kommt [nun] der Mindestlohn tatsächlich.</p>
<p>Doch die von vielen geradezu herbeigesehnte Lohnregel wird ihre Anhänger enttäuschen – wenn es gut läuft. Wenn es schlecht läuft, richtet sie sogar großen Schaden an.</p>
<p>Im günstigsten Fall steigen die Einkommen von knapp fünf Millionen Menschen, die bisher weniger als 8,50 Euro pro Stunde verdienen. Sie bekommen etwas mehr Geld als bisher. Das wäre ein Erfolg, der hier nicht kleingeredet werden soll. Aber die Begründungen, mit denen am vehementesten nach dem Mindestlohn gerufen wurde, waren andere. Viele Menschen, hieß es da, könnten von ihrem Lohn nicht leben. Rund 1,3 Millionen seien als sogenannte Aufstocker trotz harter Arbeit auf ergänzende Hartz-IV-Leistungen angewiesen – das sei unwürdig und ein Skandal! Doch daran wird der Mindestlohn nur wenig ändern. Denn die allermeisten Aufstocker haben keine volle Stelle, sondern arbeiten nur einige Stunden in der Woche. Sie werden auch mit Mindestlohn auf Hilfe angewiesen bleiben. Ihnen würde vor allem helfen, wenn es mehr Arbeit gäbe.</p>
<p>Ebenso irrt, wer glaubt, mit dem Mindestlohn bekämpfe man gezielt die Armut. Viele Arme haben keine Arbeit (oder viel zu wenig davon), Erwerbslose etwa, von denen zwei Drittel zu den Armen zählen, oder Alleinerziehende, bei denen fast die Hälfte unter Armut leidet. Ihnen nützen Lohnvorgaben wenig. Umgekehrt lebt die große Masse derjenigen, die heute einen besonders niedrigen Stundenlohn erhält, gar nicht in einem armen Haushalt. Oft sind es Rentner oder Schüler, die sich nur etwas dazuverdienen. […]</p>
<p>Wenn es schlecht läuft, schadet der Mindestlohn aber denjenigen, denen er helfen soll: den Schwächsten am Arbeitsmarkt. Er kann nämlich durchaus Jobs kosten. Dann steigen die Einkommen einiger Geringverdiener nicht, sondern fallen. Wichtig ist dabei die Höhe des Mindestlohns. Um 8,50 Euro zu erreichen, muss der Lohn der betroffenen Arbeitnehmer durchschnittlich um 37 Prozent angehoben werden. Auf einen Schlag. Ob das gut geht? Fast alle Arbeitsmarktexperten hatten geraten, mit einer niedrigeren Lohnvorgabe zu beginnen, zumindest im Osten. Doch die große Koalition schlug die Warnungen in den Wind.</p>
<p>Oft heißt es, in anderen Ländern funktioniere der Mindestlohn auch. Verschwiegen wird dabei, dass die Lohngrenze dort – im Verhältnis zum nationalen Gehaltsniveau – oft niedriger liegt, als es bei uns angestrebt wird. Und dort, wo der Mindestlohn besonders hoch bemessen ist, funktioniert er alles andere als reibungslos.</p>
<p>Etwa in Frankreich: Dort greift der Staat den Unternehmen sogar finanziell unter die Arme, damit sie den hohen Mindestlohn überhaupt zahlen können. Dafür gibt er die enorme Summe von 20 Milliarden Euro pro Jahr aus. Und trotzdem, trotz massiver Lohnsubventionen ist die Beschäftigungslage seit Jahren katastrophal. Vor allem Jugendliche und Berufseinsteiger haben es schwer. Der Mindestlohn ist also keineswegs ein einfaches, unbedenklich anwendbares Instrument.</p>
<p>Umso schlimmer ist es, wie er nun in Deutschland eingeführt werden soll. In Großbritannien untersuchen unabhängige Experten jedes Jahr die Wirkungen und Nebenwirkungen des Mindestlohns. Ihr Rat spielt vor jeder Erhöhung eine große Rolle. Hierzulande soll das anders laufen. In der Mindestlohnkommission haben Verbandsfunktionäre das Sagen. Wissenschaftliche Expertise ist nebensächlich. Erst nach drei Jahren soll einmal geprüft werden, was der Mindestlohn tatsächlich gebracht hat. Dann könnte es für viele Betroffene zu spät sein.</p>
<p><a href="http://dvpb-nw.de/wp-content/uploads/2014/05/ewh-mindestlohn.pdf">EWH (Mindestlohn)</a></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Klausur Soziale Gerechtigkeit</title>
		<link>https://dvpb-nw.de/klausur-soziale-gerechtigkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[dvpb]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Oct 2013 11:48:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inhaltsfeld VI]]></category>
		<category><![CDATA[Klausuren]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://dvpbmitglieder.wordpress.com/?p=4630</guid>

					<description><![CDATA[Thema: Soziale Gerechtigkeit in der Bundesrepublik Deutschland Aufgabenstellung: Analysieren Sie den vorliegenden Text in Bezug auf die Position des Autors zur Agenda 2010 und ordnen Sie die Ansicht des Autors zur Sozialpolitik auf der sozioökonomischen Konfliktlinie des deutschen Parteiensystems heraus. Nennen Sie die drei Grundvorstellungen von sozialer Gerechtigkeit und stellen Sie eine dieser Grundvorstellungen strukturiert  [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><strong>Thema: Soziale Gerechtigkeit in der Bundesrepublik Deutschland</strong></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><b> Aufgabenstellung:<br />
</b></p>
<ol style="text-align:justify;">
<li>Analysieren Sie den vorliegenden Text in Bezug auf die Position des Autors zur Agenda 2010 und ordnen Sie die Ansicht des Autors zur Sozialpolitik auf der sozioökonomischen Konfliktlinie des deutschen Parteiensystems heraus.</li>
<li>Nennen Sie die drei Grundvorstellungen von sozialer Gerechtigkeit und stellen Sie eine dieser Grundvorstellungen strukturiert dar.</li>
<li>Diskutieren Sie auf der Grundlage des Artikels, inwiefern die Agenda 2010 (die die Hartz-Gesetze beinhaltete) als „Gesundungsrezept“ (Z. 53/54) für verschuldete Länder geeignet ist.</li>
</ol>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><b>Materialgrundlage:</b></p>
<p style="text-align:justify;">Heribert Prantl: Die giftige Agenda. Erschienen in der Süddeutschen Zeitung am 09.03.2013 anlässlich des zehnten Jahrestages der Verkündung der Agenda durch den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder am 14.03.2003.</p>
<p style="text-align:justify;">Der Verfasser ist Journalist und Autor und leitet das Ressort für Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung. Seit 2011 ist er Mitglied der Chefredaktion. Prantl ist promovierter Jurist und seit 2010 Honorarprofessor der Fakultät für Rechtswissenschaft an der Universität Bielefeld.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Text</strong></p>
<p style="text-align:justify;"><b>Die giftige Agenda</b></p>
<p style="text-align:justify;">Ein Sozialstaat ist nicht das Schlaraffenland. Er verteilt nicht nur Überfluss, sondern auch Belastungen. Aber dabei gilt, dass der, der schon belastet ist, nicht auch noch das Gros der Belastungen tragen kann. Ein Sozialstaat gibt also nicht dem, der schon hat, und er nimmt nicht dem, der ohnehin wenig hat. Die Agenda 20101 hat das missachtet; diese Missachtung heißt Hartz IV: Die Schwachen werden belastet, die Starken entlastet. Die Agenda war eine Agenda der einseitigen Zumutungen, eine halbe Agenda.</p>
<p style="text-align:justify;">Der zweite Teil der Agenda ist nie angepackt worden; eine neue Vermögens- oder eine Reichensteuer ist nie gekommen, über Transaktionssteuern wird bis heute nur geredet. Das Reden über Belastungen auch für die Starken, das Lamento über die astronomischen Bezüge von Managern &#8211; es war und ist Ablenkungsgerede. Die Agenda hat daher das Vertrauen in den Gerechtigkeitssinn der deutschen Politik beschädigt; sie hat das Fairness-Siegel von der Bundesrepublik heruntergerissen; sie hat der Sozialstaatlichkeit, die einen hohen Verfassungsrang hat, ihren Eigenwert genommen. Sie hat die Armut zum Mittel der Politik gemacht &#8211; &#8216;um Ressourcen frei zu bekommen&#8217;, wie Kanzler Schröder sagte. Unterversorgung wurde zu einem wirtschaftspolitischen Instrument. Das ist bitter.</p>
<p style="text-align:justify;">Gute Medizin muss bitter schmecken, sagen die Verteidiger der Agenda; Hauptsache sie hilft. Angeblich hat sie geholfen: Die Zahl der Arbeitslosen sei gesunken. Die Statistik arbeitet mit vielen Tricks, aber dies eine stimmt: die Zahl der Erwerbstätigen ist heute hoch wie nie. Manche sehen darin ein Wunder. Es ist ein potemkinsches2 Wunder, denn das Gesamtvolumen der geleisteten Arbeitsstunden ist geschrumpft. Warum? Weil immer mehr Menschen in mickrigen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten; Minijobber werden einfach als Erwerbstätige mitgezählt. Die Agenda hat Zeitarbeit, Mini-Jobs und Ich-AGs gefördert, der Niedriglohnsektor ist stark gewachsen. Der Staat zahlt Aufstockung, übernimmt also die Kosten, die eigentlich durch die Löhne gedeckt werden müssten. Und so subventioniert der Staat die Wirtschaft und schwächt die Gewerkschaften.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Agenda 2010 zwingt Arbeitslose in prekäre Beschäftigungsverhältnisse &#8211; bei Zuwiderhandlung Leistungskürzung. Prekäre Beschäftigung sei besser als keine Beschäftigung, lautet das Argument dafür. Aber: Die prekären Beschäftigungen greifen um sich, rufen billige Anbieter auf den Markt, die die Ware Arbeitskraft verramschen; die Solidität bisher stabiler Arbeitsstellen ist gefährdet. Ein umfassendes System der Mindestlöhne könnte da helfen; es gibt dieses System nicht. Stattdessen gibt es ein System des Drucks auf Arbeitslose in Form von Sanktionen: Sie müssen ihre ständige Bereitschaft zur Arbeit auf zum Teil alberne Weise unter Beweis stellen, um ihr Recht auf soziale Absicherung zu erhalten.</p>
<p style="text-align:justify;">Arbeitslosigkeit wird so in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit zu einem individuellen Versagen erklärt; wer keine oder keine gescheite Arbeit findet, ist selber schuld; er hat sich nur nicht genügend bemüht. Man spricht gern vom aktivierenden Sozialstaat. Man kann den Eindruck haben, dass er nicht die soziale Sicherheit, sondern das Bewusstsein der sozialen Unsicherheit kultivieren will. Das wird befeuert durch Missbrauchs- und Faulheitsdebatten. Seit der Agenda ist der Hilfsbedürftige nicht zuerst hilfsbedürftig, sondern verdächtig; die Agenda hat den sozial Verdächtigen geschaffen. Der Staat zeigt sich nicht fürsorglich, sondern überwachend: &#8216;Hartzer&#8217; müssen es sich gefallen lassen, dass der Staat in ihren Schlafzimmern schnüffelt, um festzustellen, mit wem sie zusammen wohnen.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Hartz-Gesetze waren kleinlich, schlampig, schikanös; sie haben auf ungute Weise pauschaliert. Sie haben Langzeitarbeitslose gezwungen, ihr kleines Vermögen zu verscherbeln, ihre Lebensversicherungen zu einem Spottpreis zu verkaufen, also das fürs Alter Ersparte aufzuzehren. Die Gerichte, das Bundesverfassungsgericht zuoberst, haben einen Teil des legislativen Wahnsinns korrigiert, Karlsruhe hat die Hartz-IV-Sätze für verfassungswidrig erklärt und ihre ordentliche Berechnung erzwungen. Die Energie, die die Politik verbrauchte, um das verfassungswidrige Hartz-Gesetz zu verteidigen, hätte besser genutzt werden können.</p>
<p style="text-align:justify;">&#8216;Hartzer&#8217;: Das ist nun der Name für die Armen in Deutschland; und &#8216;IV&#8217;: Das ist die Bezeichnung für die steile Rutsche, die in die Armut führt. Dieses Gerät hat das soziale Netz ersetzt. Es ist bezeichnend, dass sich die Zahl der Tafeln, an der Bedürftige Lebensmittel erhalten, seit der Agenda vervielfacht hat. Diese Agenda wird heute südeuropäischen Staaten als Gesundungsrezept angedient: Privatisierung, Deregulierung, Prekarisierung. Die Agenda nun also für Europa? Man soll aus Fehlern lernen; man soll sie nicht repetieren3, potenzieren, europäisieren.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
]]></content:encoded>
					
		
		
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